9. November 2011 15.49 Uhr

Digitale Zahnmedizin: Diagnostik – Planung – Umsetzung: 45. Jahrestagung der Neuen Gruppe

ZVG Dr. Devigus ZVG Dr. Devigus ZVG Dr. Devigus
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Vom 27.-29. Oktober 2011 fand die 45. Jahrestagung der NEUEN GRUPPE in Zürich statt. Über 200 Teilnehmer besuchten den Kongress im Hotel Marriott, welcher nebst hochinteressanten Vorträgen auch ein ansprechendes Rahmenprogramm mit Fondueabend, Festabend im Zunfthaus zur Zimmerleuten sowie einen Tagungsausklang in der Zürcher Altstadt zu bieten hatte.

Der Einsatz digitaler Technologien beeinflusst zunehmend die Arbeit des Zahnarztes. Ziel des Kongresses war es, die Integration dieser digitalen Hilfsmittel im gesamten Behandlungsablauf darzustellen und die Nutzungsmöglichkeiten aufzuzeigen.


PD Dr. Stefan Paul (Universität Freiburg) sprach über die digitale Farbkommunikation. Die Wahl der Zahnfarbe geschieht immer auf einer hoch subjektiven Ebene und hängt von den Lichtverhältnissen, Erfahrung, Alter und dem Zustand des menschlichen Auges ab. Aufgrund der schwer kontrollierbaren Parameter wie Schichtdicke, Sintern und Schichtung während der Fabrikation, sind zudem keine der industriell hergestellten Materialien einer Farbkategorie wirklich identisch. Eine mögliche Lösung könnte hier die Verwendung eines Spektrophotometers sein, welches die Farbe analysiert.

Die Endodontie im digitalen Zeitalter
Durch den Einsatz moderner Technologien haben sich die Möglichkeiten in der Wurzelkanalbehandlung während der letzten zwei Jahrzehnte rasant entwickelt. Die Verwendung von Lupenbrillen und Mikroskopen, der Einsatz moderner Nickel-Titan- und Ultraschall Instrumenten, sowie die elektronische Überprüfung der Arbeitslänge haben sehr viel zur Erkennung und Behandlung komplexer Strukturen des endodontischen Hohlraumes beigetragen. Die reziproke und oszillierende Bearbeitung von Wurzelkanälen wurde von Dr. Frank Paqué (Universität Zürich) vorgestellt.

Der virtuelle Artikulator
Noch vor wenigen Jahren wurden nur vereinzelt Restaurationen mit computergestützter Technologie gefertigt. Diese Situation hat sich deutlich verändert: Die Herstellung von Kronen und Brückengerüsten im CAD/CAM-Verfahren ist heute Standard. Inlays und Onlays können inzwischen auch mit funktionell gestalteter Kaufläche automatisch und innert kürzester Zeit berechnet werden. Die Nachbarzähne und der Gegenkiefer lassen sich sehr einfach einbeziehen und dienen als Informationsquelle für die okklusale und funktionelle Gestaltung. Die moderne Computertechnik erlaubt die Analyse der okklusalen Morphologie der Zähne, welche zur Rekonstruktion verwendet werden kann. Prof. Albert Mehl (Universität  Zürich) erläuterte den aktuellen Stand der digitalen Restaurationsgestaltung unter Einbeziehung der dynamischen Okklusion und stellte die Hintergründe zu diesem Konzept dar.

Kieferorthopädie in 3D
Die technologischen Fortschritte in den letzten Jahren bieten auch neue Möglichkeiten für die dreidimensionale Visualisierung des Gesichtes. Diese 3D-Bildgebungstechnologie birgt enormes Potential zur Verbesserung der kieferorthopädischen Diagnostik und Behandlungsplanung. Jedoch bringt die Neuerung auch neue Probleme mit sich, welche man sich vor dem alltäglichen Gebrauch bewusst sein muss, so Prof. Christos Katsaros (Universität Bern).
Die Möglichkeiten zur Rekonstruktion des Gesichtes des einzelnen Patienten durch die Fusion von 3D-Bildern wurden im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung und des möglichen Potentiales präsentiert.

Der Einsatz des DVTs in der Implantatplanung ist unumstritten. Der forensische Druck sorgt für eine stetige Zunahme an Betreibern und akquirierten Untersuchungen. Als sicheres zukünftiges Anwendungsgebiet steht die parodontale Diagnostik, denn in diesem Fall sind zweidimensionale Projektionsverfahren dem DVT klar unterlegen da die etablierten Aufnahmetechniken häufig fehlinterpretiert werden. Auch die Sicht auf die Wurzelkanalkonfiguration ist mit den aktuell verfügbaren Systemen mithilfe einer Volumenrekonstruktion des Kanalsystems möglich. Die Steigerung der räumlichen Auflösung führt zwangsläufig auch zu einer Häufung von Bewegungsartefakten. Dies mag bei der Beurteilung von parodontalen Läsionen noch nicht so sehr ins Gewicht fallen, bei der Darstellung des Wurzelkanalsystemes sei dies jedoch ein limitierender Faktor, stellte PD Dr. Dirk Schulze (DDZ Breisgau) fest.

Weitere Informationen und viele Bilder von der Neuen Gruppe Tagung in Zürich finden Sie in der DENTASTIC 6/2011.

Bilder: ZVG Dr. Devigus